Pressebericht der Rhein-Neckar-Zeitung vom 09.12.2002
Wie macht man ein Musical ohne Textbuch?
Von Nina Rehm
Schwetzingen. Elf Sänger und vier Musiker drängten sich vergangenen Freitag auf
die kleine Bühne im Zähringer Hof in Schwetzingen. Alles Darsteller der
Musicalgesellschaft Mannheim, die eine kleine Kostprobe der Stücke zum Besten
gaben, die in der Neuinszenierung des Musicals "Hair" zu hören sind.
"Wir haben das bereits mit den Songs aus dem Musical Pink Floyd - The Wall
gemacht", erklärte der Projektleiter Peter Mendelsohn. Die Leute haben so die
Möglichkeit, die Stücke vorab in kleinerem Rahmen zu hören und können sich dann
entscheiden, ob sie die Aufführung besuchen kommen.
Seit 1995 interpretiert die Musicalgesellschaft Mannheim die verschiedensten
Musicals immer wieder neu und macht nebenher auch Rock, Jazz, Theater und
Kleinkunst. Die Mitglieder der Gesellschaft feierten ihr Debüt mit der Rocky
Horror Show und gehen im Alltag völlig anderen Beschäftigungen nach.
",Hair'" ist deshalb so interessant, weil es ein Stück ohne Textbuch ist",
erzählte der Projektleiter. Es war eher ein Musical, das aktuell gesprochen
wurde und Themen behandelte wie Sex und Drogen oder Krieg und Frieden, die auch
heute nicht an Aktualität verloren haben. Mit das Besondere an der Inszenierung
sei, das es eigentlich kaum eine Handlung gibt, sondern nur grob aufeinander
folgende Szenen, so Mendelsohn. Aber auf Grund der fehlenden Texte haben viele
einfach die Texte der Uraufführung 1967 übernommen. Dadurch hatte das Musical an
Aktualität verloren und schockt heute keinen mehr.
Peter Mendelsohn und seine Gruppe haben das Stück neu interpretiert und die
Texte an die heutige Zeit angepasst. "Da das Stück ziemlich handlungsarm ist,
hatten wir einen gewissen Freiraum, aber die Grundzüge der ursprünglichen
Aufführung sind nach wie vor vorhanden", versicherte der Projektleiter. Da sich
die Vorschau auf die Songs bereits bei "The Wall" bewährt hat, trat das Ensemble
auch dieses Mal wieder im Zähringer Hof auf. Jede Menge Zuschauer drängten sich
in das Gasthaus und quittierten jedes gesungene Lied mit reichlich Beifall.
Hair ist ein klassischer Teil der 68er-Bewegung, der Hippies und Blumenkinder.
Das Musical startete 1967 in New York ohne festes Textbuch. "Das einzige
Musical, das nicht von gestern ist," hieß es damals. Hair wurde von dem
Regisseur Milos Forman auch verfilmt.